
Wer gerne in Bücher schreibt - Wem könnte man es verübeln, einen grossen Bogen um alles zu machen, was mit der neuen Rechtschreibung zu hat? Was Bildungsminister, Experten, Verleger, Autoren und Sprachhüter in den letzten Jahren (oder sind es bereits Jahrzehnte?) verbrochen haben, ist mehr als nur ein harmloser Schildbürgerstreich. Und trotzdem, für Einstellungstestler gilt die Rechtschreibung eben noch immer als das A und O der Bildungsnorm. Für persönliche Argumente, es nicht mit allem so genau zu nehmen, haben sie wenig Verständnis. Also sollten Stellensuchende üben. Ausserdem gibt es ja noch die Schreiberlinge, welche bereits eine Stelle haben. Wieso jedoch ausgerechnet diesem Trainingsbuch keine CD-ROM beiliegt, verstehe ich nicht. Hallo, liebe Eichbornler, hier geht es ums Schreiben! Nicht um Rechtlesetraining! Soll ich mit krackseliger Schrift auf die Linien kritzeln, deren Längen und Abstände sich irgendein Layouter ausgedacht hat? So gut die meisten Übungen auch sind, ein solches Buch ohne CD ist einfach nicht mehr zeitgemäss. Und nicht konsumentenfreundlich. Mein Fazit: Ohne CD oder andere elektronischen Hilfen ist das Buch nicht mehr als zwei Sterne wert. Zumal es Alternativen gibt, die Lernwilligen das Leben wirklich erleichtern.
Ungeeignete Übungsbeispiele - Die Idee ist gut. Wenn schon die neue Rechtschreibung einüben, dann gleich im Zusammenhang mit schriftlichen Bewerbungen. Allerdings haben die beiden Autoren aus der Idee nicht viel gemacht. Kurz vor dem Lösungsteil finden sich noch drei Aufgaben, die einen direkten Bezug zum Bewerbungsschreiben haben. Das ist schade. Denn aus durchlittenem Fremdsprachenunterricht wissen wir, dass Übungssätze noch bis ins hohe Alter haften bleiben. Statt irgendwelche Texte über Aprikosen in China oder dämliche Gängster hätte man sich praxisnahere Texte aushecken können. Den Aufbau des kleinen Wörterbuches habe ich weder von der Logik, noch von der Grafik her begriffen. Aber auch so leistet es noch nützliche Hilfe, um in den exklusiven Kreis der Experten für die neue Rechtschreibung aufgenommen zu werden. Ob die Beherrschung der völlig verwässerten Rechtschreibreform tatsächlich über Sein oder Nichtsein entscheidet, bleibe dahingestellt. Fest steht nur, dass selbst Personalabteilungen nicht mit hohen Trefferquoten glänzen können. Ich mag Hesse/Schrader Unrecht tun, aber seit einiger Zeit vermisse ich bei dem erfolgsverwöhnten Duo die Liebe zum Detail und die Innovationskraft, die sie früher auszeichneten.