
etwas schwerfällig, aber gut - Ich lese sehr gern Büchern von sogenannten Machern, die ein bisschen was von Ihrem Lebens-Plan verraten. Dabei spielt es für mich keinerlei Rolle, was genau der Autor so im Leben treibt. Ich wollte und will nie Bergsteigen und lese dennoch sehr gern den Messner, ich baue keine Autos und verschlang Wiedeking, ich bin kein Völkerkundler und las mit Begeisterung Roland Garve, ich verkaufe nie Schrauben und führe auch keinen Weltkonzern, habe den Wirth aber auch gelesen. Bundeskanzler werde ich nicht und auch kein Pop-Titan. Aber selbst Schmidt und Bohlen habe ich gelesen. Und jedes Buch hat auf seine Weise ein Geheimnis, das es beim Lesen zu herauszufinden gilt. Und den Khan wollte ich auch lesen, obwohl ich kein Fußballer und auch kein Bayern-Fan bin. Bei diesem Buch von Oliver Khan musste ich mich allerdings das erste mal regelrecht durchkämpfen. Es ist ist oft ziemlich trocken verfasst und verrät stellenweise den Mangel an edlen Quellen. Ständig wird aus Wikipedia zitiert. Das kommt irgendwie billig rüber und nervt auch ein bisschen.Dennoch empfehle ich dieses Buch allen, die wie ich Freude an den Worten gescheiter Leute haben, die etwas erzählen können, was einen selbst irgendwie und irgendwo ein Stück weiterbringt. Deswegen vergebe ich 3 Sterne.
Glänzende Schale, nicht viel im Kern - Nach langem Hin und Her habe ich mich doch entschieden, mir endlich ein eigenes Bild von diesem Buch zu machen und habe es mir ausgeliehen, da mir der Preis für die eher verschwenderisch bedruckten Seiten doch zu hoch erschien. Desweiteren hatte mich der teils gruselige Schreibstil diverser Leseproben abgeschreckt. Ich bin kein Anhänger von Selbsthilfe- und Motivationsbüchern und dass es in dem Buch auch u.a. um diese Thematik gehen sollte, war mir klar. Mein weiteres Interesse galt dem Menschen Kahn, seiner Wahrnehmung der Dinge, seiner Meinung. Wo soll ich anfangen? Wer empfänglich ist für den Motivationsbuch-Aspekt, der kann sich auch beinahe jedes x-beliebige Heftchen aus dem Regal der Kategorie Anfeuerndes besorgen. Man gewinnt den Eindruck, als habe Kahn hier diverse Dinge aus seiner eigenen Bibilothek der Selbsthilfebücher und dem Band Psychologie für Anfänger zusammen getragen. Interessant ist hier eher, wie unter der ganzen selbst antrainierten Fassade, dem Kunstgebilde Titan, der Mensch zum Vorschein kommt. Leider ist der Kern aber ernüchternd. Weder sonderlich geistreich, noch sonderlich sympathisch und vor allem mit einem enormen Mangel an Humor und Selbstkritik. Man fragt sich, was Kahn eigentlich vermitteln will? Eine Anleitung zur Rücksichtslosigkeit gegenüber allen anderen und sich selbst? Alles ist erlaubt im Dienste des Erfolgs? Und hier ist der Punkt, an dem das Buch selbstentlarvend wird. Trotz all der Pseudo-Menschwerdung des Titans ist diese gnadenlose Selbstüberschätzung immer gegenwertig. Kahn hat den Inhalt seiner Selbsthilfebücher perfekt verinnerlicht und zum Leben erweckt. Die Frage ist nur, möchte ich so sein? Sollte das uns ein Beispiel sein? Rechtfertigt diese Selbstverbiegung den Erfolg Kahns, der im Vergleich zu anderen Torhüter der Vergangenheit und Gegenwart immer noch gering ist? Fast schon unfreiwillig komisch, wenn er die Szene beschreibt, in der Klinsmann ihm verkündet, dass er bei der WM nur die Nr. 2 sein werde. Oh diese schrecklichen Sätze, dieses ich, ich ich! Laut Kahn nicht so gemeint wie auf den ersten Blick, der Titel. Aber am Ende doch genau das. Und als das Buch dann gelesen war, beschlich mich der Verdacht, grade eine auf Hochglanz aufgeblasene Geldquelle ohne viel Inhalt gelesen zu haben. Kommerz pur. Denn eins muss man Kahn lassen. Er hat es immer schon verstanden, sich ohne große Scharm exzellent zu vermarkten. Auch das kann man bewundern. Bei mir allerdings hinterlässt es einen unangenehmen Beigeschmack.Fazit: Wer unbedingt Kahn als Aushängeschild für eine Kompilation diverser Selbsthilfebücher benötigt, der wird hier fündig. Wer mehr über Kahn und seine Karriere erfahren möchte, kommt eher zu kurz. Wer den Mensch Kahn kennen lernen möchte, bei dem könnte eventuell Ernüchterung aufkommen. Wer Kahn verehrt, der wird seinen Helden, zumindest nicht freiwillig, unangekratzt anhimmeln dürfen. Wer einen guten Schreibstil schätzt, dem sei abgeraten.Nachdem ich vor einem guten Jahr einen ausgezeichnet geschriebenen Artikel von Jens Lehmann lesen durfte, blicke ich mit wesentlich mehr Vorfreude dessen Biografie entgegen. Tut mir Leid, Olli.
Die Philosophie des Oliver Kahn - Wer sich diesem Buch mit der Erwartung nähert, Rezepte zu bekommen, was man tun muss, um erfolgreich zu werden, wird sicherlich enttäuscht werden. Oliver Kahns Ansatz ist es nämlich vielmehr, seinen Lesern - die übrigens des Öfteren direkt in seine Überlegungen eingebunden und direkt angesprochen werden - den Weg zu den Rezepten zu vermitteln. Tatsächlich wohl vermittelt er uns, um es überspitzt zu sagen, seine Philosophie.Natürlich greift er dabei sehr häufig auf sein eigenes Leben als Leistungssportler und auf das Leben anderer Berühmtheiten zurück, um diese als Begründung seiner Thesen heranzuziehen. Dennoch ist es kein autobiographisches Buch und schon gar kein Buch über Fußball, es ist ein (weiterer) Lebensratgeber. Aber man erfährt viel über den Menschen hinter dem Titanen, und das, zugegeben, ist wahrhaftig interessant.Ob man sich seiner Lebensweise nun anschließen kann bzw. möchte, hängt vielzusehr von der eigenen Philosophie ab, als dass man hier sagen könnte: Wer dies Buch liest, muss erfolgreich werden. Ich persönlich finde seinen Ansatz glaubwürdig, stimmig und nachvollziehbar, aber für mich nicht hundertprozentig anwendbar - eben wegen meiner eigenen Lebensauffassung. Aber das Buch enthält viele Anreize, die ich sicherlich in Zukunft bedenken werde.Noch einige Worte zum Autoren Kahn: abgesehen von einer hyperinflationären Verwendung von Anführungszeichen ist das Buch anregend geschrieben, was auch an der direkten Leseransprache liegt. Der Sprachstil ist angemessen und nicht übertrieben, allerdings bedarf es einer guten Vorbildung seitens der Leser, um alles ohne Lexikon verstehen zu können (v.a. wenn er über Philosophie, Motivation u.ä. spricht). Definitiv habe ich es nicht bereut, dieses Buch gelesen zu haben, ich halte es für sehr empfehlenswert, auch für Kahn-Gegner.
Es wird gebeten, nicht nackt im Büro zu erscheinen. (S. 207) - Der ganz normale Fußballfan sei gewarnt: Das ist keine Autobiografie, sondern auf den ersten Blick ein Buch aus der lustigen Serie Wie werde ich erfolgreich? Und man braucht schon wenigstens Abitur, um es zu verstehen. Wenn die allseits bekannte Abkürzung CEO nicht erklärt wird, dafür aber die weniger bekannte DFB, dann weiß man endgültig, dass nicht unbedingt die gemeinen Fußballfans Zielgruppe dieses Buches sind. Ganz unbestritten war Oliver Kahn als Fußballspieler extrem erfolgreich. Hatte er vorher ein Motivationsbuch gelesen? Und erschien uns der gute Olli nicht oft reichlich übermotiviert und verspannt? Wollen wir auch so werden? Was also ist das für ein merkwürdiges Buch, das behauptet, alles käme von innen, uns aber von außen Ratschläge erteilt? Solange man Menschen nicht einer Gehirnwäsche oder einem harten Drill unterzieht, sind sie in der Regel nur sehr unbedeutend veränderbar. Deshalb verpuffen Motivationsbücher meistens schnell. Alle Eigenschaften, die Kahn zu einem berühmten Torwart gemacht haben, waren im Grunde schon bei seiner Geburt vorhanden. Wenn er sich später ehrgeizig Ziele setzte und diese dann hartnäckig verfolgte, dann war das eine Folge seiner inneren Ausprägung. Für die eigene Motivation nutzt uns dieses Wissen nicht wirklich. Betrachtet man den Lebensweg und die Eigenschaften erfolgreicher Menschen, dann findet man sehr viele Ähnlichkeiten. Kahn schreibt hier über seine Herangehensweise. Das hätte mir völlig gereicht. Leider erscheint oft ein leicht erhobener Zeigefinger. Und im Buch müssen wir uns ständig einem nicht zu übersehenden Quick Check! unterziehen. Ich liebe dieses Angeber-Englisch. Wenn man das Buch jedoch unter der Prämisse liest, dass es keiner der üblichen Motivationsschinken ist, sondern indirekt viel über den Sportler Oliver Kahn berichtet und über seinen Weg zum Erfolg, dann erscheint es wirklich lesenswert. Erfolgreiche Menschen haben klare Ziele und einen unbändigen Ehrgeiz. Und vor allem arbeiten sie mehr als andere. Irgendwie ist diese simple Erkenntnis dem Zeitgeist abhanden gekommen. Aber die Gesetze des Lebens ändern sich nicht, der Zeitgeist wohl. Kahn ist ein Arbeitstier. Er konnte es nicht ertragen unvorbereitet in ein Spiel zu gehen. Er erschien nie nackt, also unvorbereitet, zu einem Spiel. Er ist ein Kämpfer, der nie aufgibt, der aus Niederlagen lernt. Manchmal geht es mit ihm durch. Er ist jähzornig und aufbrausend, aber auch ein unglaublicher Antreiber. Welche Lücke das Fehlen eines solchen Menschen reißen kann, sieht man nach seinem Abschied beim FC Bayern. Übrigens kann man auch aus diesem Buch lernen, dass Erfolg bereits einsam macht, bevor er überhaupt eintritt. Die meisten sehr erfolgreichen Menschen sind Einzelgänger. Bei Kahn wird das besonders deutlich. Das Buch enthält auch Warnungen. Kahn selbst hatte einen Burn-out und erzählt uns davon. Und schließlich erfahren wir auch, was wir schon immer geahnt haben, nämlich dass dieser blödsinnige zweijährige Torwartkampf vor der letzten WM eine Intrige war, die Kahn mürbe machen sollte. Fazit.Ehrlich gesagt habe ich eine Weile gebraucht, um mich mit dem Buch anzufreunden. Aber am Ende habe ich nicht bereut, es gelesen zu haben. Denn es macht wieder einmal deutlich, dass für einen Erfolg immer dieselben Voraussetzungen unabdingbar sind. Außerdem erfährt man indirekt viel über das Innenleben des Oliver Kahn.
Erfolgsdenken auf menschlicher Ebene - Interessant beschreibt Oliver Kahn sein Erfolgsgeheimnis, das auf den zweiten Blick schlichtweg menschlich und doch extrem herausfordernd erscheint, bedeutet es doch den ständigen Kampf mit und gegen sich selbst. Auch für Nicht-Fußballfans ein hervorragender Erfahrungsbericht über Krisen, Erfolge... und viel Menschlichkeit mit einem Hauch unterrichtender Weisheit.