
Mein allerliebstes Buch zum Thema Führung - Wie persönlich letztlich jede Beurteilung eines Buches ist, zeigt sich wieder Mal bei diesem Werk. Denn letztlich findet man das besser, was eher zu den eigenen Vorstellungsbildern passt. Und das ist beim Führungs-Ratgeber von Buckingham/Coffman klar der Fall. Während meine Denkmodelle stark von den Erkenntnissen der Hirnforschung beeinflusst sind, kommen die beiden Autoren vor allem aufgrund der Langzeitstudien des Gallup-Instituts zu ähnlichen Einschätzungen und Folgerungen. Der Mensch ist kein rationales Wesen, also darf man ihn auch nicht als solches behandeln, wenn man ihn führen will. Und noch eine wichtige Prämisse leitet die Mitarbeiter des Gallup-Instituts und mich bei unseren Tätigkeiten. In den Worten der Autoren lautet sie: „Die Menschen sind weniger veränderbar, als wir glauben. Verschwende nicht deine Zeit mit dem Versuch, etwas hinzuzufügen, das die Natur nicht vorgesehen hat. Versuche herauszuholen, was in ihnen steckt. Das ist schon schwer genug. Dieses in einem Kästchen eingerahmte Glaubensbekenntnis wird im Buch stetig wiederholt, denn es ist die Grundlage für alle praktischen Folgerungen und Anwendungen.Aus der Befragung von über 1 Million Mitarbeitern und 80 000 Managern sowie einer intensiven Beschäftigung mit dem Wesen des Menschen kristallisierten sich zwölf Fragen heraus, die für eine erfolgreiche Führungsarbeit fundamental sind. Da ich das Buch ohnehin zur Pflichtlektüre erkläre, führe ich sie nicht im Wortlaut auf. Diese Fragen stecken auch das Gravitationsfeld ab, auf dem sich grosse Manager bewegen, zeigen die Orte auf, an dem die vier Schlüssel liegen und den Zugang zu gesuchten Talenten ermöglichen, Ziele bestimmen lassen, Stärken offenbaren sowie für richtige Abstimmung sorgen.Im siebten Kapitel betreten wir den Raum, in dem die Schlüssel sich in der Praxis bewähren müssen. Es ist ein faszinierender Raum, denn hier werden Vorstellungsgespräche ganz anders geführt, Leistungsvereinbarungen anders getroffen und Mitarbeiter anders zu Höchstleistungen befähigt. Menschen so zu sehen, wie sie wirklich sind, braucht nicht nur einen neuen Blickwinkel, sondern auch Erfahrung. Mit der Anwendung der vier vorgestellten Schlüssel lässt sich diese Erfahrung aneignet, schrittweise, nicht von heute auf morgen. Manager sind Spiegelhalter für ihre Mitarbeiter. Und wenn sie dies hart, aber herzlich tun, ergeben sich viele kleine Veränderungen wie von selbst. „Es ist besser, in einer altmodischen Firma für einen hervorragenden Chef zu arbeiten als in einem modernen, mitarbeiterorientierten Unternehmen für einen schlechten. Solche Sätze sind nicht einfach rhetorische Beilagen, sondern Glaubenssätze von Autoren, die lieber davon ausgehen, wie der Mensch ist, statt sich widerständlerisch an Illusionsbildern festzukrallen. Wem der Inhalt nicht neu vorkommt, übersieht aber meistens, dass es bei der Umsetzung noch immer arg hapert. Ich meine jedenfalls, dass dieses Buch genug Neuigkeiten enthält, um ganze Unternehmen bei der Anwendung in Trap zu halten.Mein Fazit: Unter den vielen Führungsbüchern, die mir in die Hände und unter die Augen gekommen sind, ist mir dieses das liebste. Weil es glasklar zeigt, dass der Abschied vom Homo oeconomicus nicht Abschied von Führung bedeutet. Sich auf die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung einzulassen, kann der Beginn einer neuen Art von Führungsarbeit sein, die mehr Spass macht und erst noch greifbarere Resultate liefert.
Anregend und empirisch fundiert - In diesem Buch wird erstmals eine wichtige Unterscheidung gemacht. Es werden nicht weitere Vermutungen und Forderungen aneinander gereiht, wie eine erfolgreiche Führungskraft sein soll. Statt dessen werden die umfassenden Ergebnisse einer Studie des Gallup-Institutes dargestellt. So zeigen die Autoren auf, welche Fähigkeiten als erfolgreich bewertete Führungskräfte haben und was ihre Leitlinien sind. Anregend und fundiert, dabei im besten Sinne amerikanisch praxisorientiert.
Fundiert, aber nicht neu - Ein weiteres Buch, welches zeigen will, wie man es am besten macht. Mit einem kleinen Unterschied, denn hier liegt eine Unmenge von empirischen Daten vor, welche zeigen, worauf es wirklich ankommt. Die Autoren interpretieren zum Teil sehr viel und sehr frei, doch würden sie es nicht tun, macht der Leser es ohnehin. Insgesamt ist das Buch auf alle Fälle empfehlenswert, weil es wieder einmal klar vor Augen führt, was zählt: der Mensch mit seinen individuellen Stärken.